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Die afrikanische Gewerkschafterin kümmert sich auch um die Enttabuisierung von Aids in ihrem Heimatland Simbabwe.

»Die Chance geben, aus Fehlern zu lernen«

interviewANGELINE CHITAMBO sorgt mit dem Projekt »Bildung für Frauen in Simbabwe« für verlässliche Partnerinnen in der Gesellschaft ihres darbenden Landes - und deren Wohlergehen.


Sie waren ein Jahr lang vom Dienst suspendiert, weil die Energiegewerkschaft angeblich mit Streik beim staatlichen Stromversorger gedroht hatte. Was ist da passiert?

Es gab bereits einen gültigen Tarifvertrag, aber das staatliche Stromversorgungsunternehmen ZESA wollte sich nicht daran halten. Deshalb hat meine Gewerkschaft Mitte 2012 zu einer Pressekonferenz eingeladen. Dort habe ich gesprochen und die Respektierung des Vertrags verlangt, er hat ja Gesetzescharakter. Daraufhin wurden 135 Gewerkschaftsmitglieder in verschiedenen Regionen suspendiert, ich auch. Vier Monate später waren fast alle zurück bei der Arbeit. In der Sache aber gibt es noch immer keine Einigung. Wir verklagen die ZESA jetzt auf Einhaltung des Tarifvertrags. Der Fall läuft noch.

chitamboIhre Wiedereinstellung hat das Arbeitsgericht verfügt. Funktioniert das Rechtssystem in Simbabwe?

Das Arbeitsgericht hat entschieden, dass es meine Aufgabe als Gewerkschaftspräsidentin ist, für die Mitglieder zu sprechen, auch in der Öffentlichkeit. Ich war 13 Monate lang suspendiert und hatte Glück, dass es nicht noch länger gedauert hat. Aber mein Arbeitgeber möchte mich immer noch loswerden. Angeblich ist das Verhältnis zerrüttet.
Gibt es Gewerkschaftsrechte in Simbabwe - auf freies Organisieren, kollektives Verhandeln, Streik?

Sie sind eingeschränkt. Im öffentlichen Dienst werden die Gehälter festgelegt und der Energiesektor gehört zu den lebenswichtigen Diensten, da darf nicht gestreikt werden. Für die Privatwirtschaft gibt es diese Rechte, sie werden nur oft nicht respektiert. Ich finde, wir sollten Verhandlungen im Dialog führen. Arbeitsangelegenheiten gehören nicht vor Gericht.

Im August hat Robert Mugabe mit einer Mehrheit von 61 Prozent die Präsidentschaftswahlen gewonnen; er hat dieses Amt bereits seit der Unabhängigkeit 1980. Halten Sie diese Wahlen für demokratisch?

Etwas anderes könnten wir nicht nachweisen, das hat sogar die Oppositionspartei gesagt. Wir sollten der Regierungspartei ZANU eine Chance geben, aus Fehlern zu lernen. Sie bringt Investoren aus China ins Land und spricht mit den Lehrern auch über ihre zu geringe Entlohnung. Sie will die Korruption bekämpfen. Das sind Schritte in die richtige Richtung.

Wie geht es den Menschen in Simbabwe wirtschaftlich?

Wir haben nur 20 Prozent Beschäftigung, 80 Prozent der Bevölkerung ist arbeitslos und schlägt sich im informellen Sektor irgendwie durch, oft als kleine Händler. Für sie ist es schwer zu
überleben. Schon ein Besuch beim Arzt kostet Geld. Vor den staatlichen Krankenhäusern bilden sich lange Schlangen; man kann dort sterben, während man auf seine Medizin wartet. Alles ist eine Frage des Geldes, aber das ist erniedrigend.


Was bedeutet das für das Leben von Frauen?

Frauen haben die Verantwortung für die Kinder - und enorm viel Arbeit. Es gibt nicht genug sauberes Wasser; viele gehen viel Arbeit. Es gibt nicht genug sauberes Wasser; viele gehen mit Eimern zum nächstgelegenen Brunnen, oft von fünf Uhr morgens an mehrmals am Tag. Wasser muss abgekocht werden, bevor man es trinkt. Es gibt aber nicht genug Feuerholz. Die Frauen holen Holz aus dem Busch und können unterwegs leicht Opfer von Vergewaltigung werden. Gas oder Generatoren können sich die meisten nicht leisten. Viele gehen hungrig ins Bett.

Bei der IG-BCE-Frauenkonferenz 2012 wurde ein Bildungsprojekt für Frauen in Simbabwe auf den Weg gebracht. Was sollen sie lernen?

Sie sollen lernen, wie sie ihre Familien versorgen, aber auch wie sie für ihre Sache eintreten und den Mut entwickeln, sich in der Gewerkschaft zu engagieren. Frauen müssen Selbstvertrauen entwickeln, um Führungspositionen zu übernehmen. (Die IG BCE fördert das Projekt mit 19 600 Euro, siehe Titelgeschichte Seite 15.) Auch über HIV/Aids sprechen wir. Frauen müssen sich rechtzeitig testen lassen, damit sie Hilfe in Anspruch nehmen können. Sie sollten nicht schweigen.

Was sind die ersten Schritte?

Wir wollen im nächsten Jahr mit einer Bedarfsanalyse anfangen. Dazu wird ein Fragebogen entwickelt, um zu erheben, worin die Frauen ausgebildet werden wollen. Wir planen Seminare mit Trainerinnen aus Deutschland. Einige Frauen sollen sich fortbilden und es dann an andere weitergeben. Der Prozess wird evaluiert und ein Team für das Projekt zusammengestellt.

aus KOMPACT - Mitgliedermagazin der IBCE /November 2013 Interview: Sigrid Thomsen

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